Donnerstag, 26. Oktober 2017

Tag 8 - Der Zirkusbaer

Die letzte Nacht in der Wildnis habe ich nun das erste Mal durchgeschlafen! Wir haben jetzt 8 Tage keine Dusche mehr gesehen und freuen uns darauf, uns im Hotel mal richtig zu waschen und auch saubere Sachen anzuziehen.




Zum Abschluss bekommen wir einen schoenen Sonnenaufgang.






Port Renfrew im Morgennebel





Trasher Cove erwacht


Das letzte Stueck der Wanderung steht an. Glaubt man den vier Kaliforniern, ist auch dieses Stueck nicht ganz ohne. Es habe wohl Leute gegeben, die von Sueden aus startend, gleich die erste Leiter runter gefallen sind. Wir nehmen uns vor, uns nochmal voll zu konzentrieren um die letzten 6 Stunden auch noch zu ueberstehen. Waehrend wir das Fruehstueck vorbereiten verabschieden wir uns von dem Kanadischen Paerchen, welches wir beim Krabbenkiller trafen. Das letzten Tuetenfruehstueck steht gerade an, als es irgendwie unruhig wird am Campground. Wir schauen was los ist und sehen das Paerchen voll bepackt wieder zum Strand laufen. Wir fragen was los ist und warum sie zurueck gekommen sind. Da meinen sie, sie waeren bereits die erste Treppe hoch geklettert und wollten gerade auf die zweite steigen, als sie jemanden dort die Treppe runter steigen sahen, der kein Permit hatte.




Gemeiner West Coast Trail Baer


Leider war der Baer vom Strand aus nicht zu sehen. So, konnte ich kein Foto machen. Alle zogen sich von den Leitern und dem Bereich um die Leitern zurueck um zu warten, ob er bis ganz runter kaeme. Nur ein Wanderer sass gerade auf Klo und blieb dort auch lieber zu Sicherheit.





Ein Outhouse - ein Hauch von Luxus auf dem West Coast Trail


Waehrend ein Homo Sapiens sich auf dem Tron verbarrikadierte, begannen die anderen Wild zu schreien und Steine und Stoecke nach dem armen Kuenstler zu werfen. Der Erfolg blieb aus, der Baere kletterte die Leiter nicht wieder hinauf sondern versuchte zwischen Steilwand und Zelten die Flucht anzutreten. Ich nun mit meiner Kamera bewaffnet hinter ihm her. Ich musste nicht wirklich Angst haben, denn Christian stand mir zur Seite und so folgten wir dem Ungeheuer gemeinsam. Wir hofften dabei nicht von irgendwelchen Steinen getroffen zu werden. Jedenfalls kamen wir Meister Petz schon recht bald Nahe genug um wenigstens zwei, leider etwas verwackelte Bilder zu machen.





Der Zirkusbaer


So ganz wohl war mir dann doch nicht und deshalb sah ich mich um, ob Wachmann Christian noch in der Naehe war, um den Baer im Notfall niederzuringen. Ich dreh mich also um und schaue was Christian so treibt und staune dann doch etwas, als ich ihn mit einer offenen Tuete mit aufgekochtem, duftendem Fruehstuecksbrei dastehen sehe, statt mit einem grossen Knueppel und einem Stein. Als ich Christian an die Rangerin erinnere, die dringend davor gewarnt hat auch nur in der Naehe der Zelte zu essen, stellt auch er erstaunt fest, was er da in der Hand hat.



Der groesste Baer, den wir auf dem West Coast Trail gesehen haben


Ja, je laenger die Reise her ist, und je oefter wir von unserem Erlebnissen erzaehlen, desto groesser und gefaehrlicher wird der Baer! Deshalb kann ich mit ruhigem Gewissen behaupten, dass er mindestens so gross war wie ein Elefant! Und wirklich gefaehrlich hat er sich verhalten, waehrend die Wandere schreien und Steine nach im werfen, frisst er voellig unbeeindruckt ein paar Blaetter vom Busch. Das muss besonders eine aeltere Dame vom Ende des Campingplatzes so entsetzt haben, dass mehrere andere Wanderer sie davon abbringen mussten, weiter das arme Tier anzuschreien. Es war als haette sie selbst einen Stein an den Kopf bekommen. Tierischer als der Baer.
Irgendwann war er dann weg und auch wir konnten die Reise uber die Leiter - in die andere Richtung - antreten. Der Weg war recht muehsam, aber nicht so brutal wie von vielen behauptet. Es gab mehr Stellen als sonst, wo man auch mal ueber schroffes und nasses Gestein laufen musste. Ansonsten eher nicht so spannend, das ganz suedliche Ende.




ein altes Stahlseil, fest gehalten von kraeftigen Baeumen





Das Seil muss schon eine Weile hier sein



Wir passieren noch die hoechste Stelle des Trails (siehe Karte), sonst passiert nix mehr Erwaehnenswertes, ausser das ich mir doch noch eine kleiner Verletzung auf den letzten Kilometer zuziehe. Ein abgesaegter Ast, hinter ein paar Blaettern versteckt trifft mich an der Schulter.




Ralf hat zu viel Kraft und schmeisst deshalb ein paar Baeume um



Irgendwann erreichen wir dann die allerletzte Leiter, von der angeblich schon einige Leute runtergefallen sind.




die letzte Leiter - noch 20m nach unten bis zur Faehre





Frank T. am Ende des Trails





Und Ralf? Hat es Spass gemacht?





Wir haben es geschafft!






Gemeiner West Coast Trail Frosch




Tag 8 - 77 km geschafft






Faehre nach Port Renfrew




jeder Platz besetzt




Das Rettungsboat an der Rangerstation


Noch waehrend wir auf den Bus warten, wird das Ding von zwei Rangern zum Einsatz gefahren.





die Bushaltestelle ist direkt am Rangeroffice




da wir noch Zeit haben, bis der Bus kommt gehen wir zum Strand und schauen den erfolglosen Anglern zu






warten auf den Bus





der Bus ist da, nun aber zurueck nach Victoria, die Dusche wartet seit 8 Tagen auf uns





Blick aus dem Busfenster. So sieht es also in der "Zivilisation" aus




Bier und Pizza gibt es nach 8 Tagen Trockenfutter




Da liegen Port Renfrew und Victoria


Wir landen wieder im gleichen Hostel, holen uns diesmal aber den kostenlosen Cocktail. Das Zimmer mit Blick zur Katze ist schon weg, aber das eine Etage drueber bekommen wir. Zurueck nach Portland geht es erst morgen Nachmittag, so bleibt uns morgen nochmal ein halber Tag in Victoria.


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