Sonntag, 22. Oktober 2017

Tag 7 - Das Ding im Wald

Diese Nacht war es irgendwie mal nicht ganz so kalt wie sonst. Vielleicht haben die paar Meter Entfernung zum Strand geholfen. Gut geschlafen habe ich trotzdem nicht. Mal sehen ob die vier Kalifornier wirklich schon weg sind und den Weg die Kueste entlang genommen haben.





Voellig erholt nach 6 Tagen West Coast Trail


Die Kalifornier sind noch da. Caveman schlaeft noch, mit offenem Zelt, wie ein Baby. Wir fruehstuecken und laufen ohne Gepaeck ueber den weiter abnehmenden Fluss Richtung Strand.




Morgenspaziergang ohne Rucksack. Im Hintergrund die Olympische Halbinsel.





Das Blowhole funktioniert noch.




Der heutige Abschnitt beginnt mit einer Seilbahnfahrt





Mit der letzten Seilbahn ueber den Camper Creek, bzw. das was noch davon uebrig ist


Ralf kaempft sich ueber den Camper Creek





Blick vom Wald-Trail runter zum Coast-Trail. Da kann man angeblich langlaufen.





Ralf geniesst seinen Urlaub


Am Kilometer 65 ueberlegen wir, ob die Flut schon zu hoch ist, um wenigsten von Einstiegspunkt A bis B zu laufen (siehe Karte). Ein paar Wanderer kommen uns entgegen und meinen das sollte zu machen sein. Wir klettern also runter zum Coast-Trail. Es ist super Wetter und es ist eindeutig noch Ebbe. Ein Blick nach Sueden zeigt aber schon in geringer Entfernung einen Felsvorsprung, zu dem sich die Brandung schon hinkaempft. Die freigelegten Felsplatten sind sehr flach ansteigend, es geht sicher schnell bis das Wasser wieder an der Felswand ist. Wir muessen uns also beeilen. Kaum mache ich den ersten Schritt auf die Felsplatte, so haut es mich schon fast der Laenge nach hin. Die Steine sind unglaublich glatt. Ich kann mich gerade noch halten -  dank der Wanderstoecke!




Schoen glatt! Ein Ort fuer herausspringende Kniescheiben



Ich versuche es noch ein Mal, diesmall ganz vorsichtig denn ich weiss ja nun dass es glatt ist. Ich drehe sofort wieder schreiend eine Pirouette. Die Aufmerksamkeit alle in der Naehe befindlichen Wanderer gehoert mir. Nun kommt Christian. Ich warne ihn, doch auch ihn legt es fast hin. Wir suchen nun nach Stellen mit mehr Grip und laufen Richtung Felsvorsprung, wo ab und zu schon eine kleine Welle ihren Weg bis an den Rand findet.Schnell, aber vorsichtig muessen wir weiter. So kurz vor Schluss wollen wir nicht mehr im Krankenhaus landen!




noch rechtzeitig um den Felsvorsprung. Man sieht an der Wand wie hoch das Wasser hier bei Flut kommt.





Ralf sucht trockene Steine und einen sicheren Pfad ueber die Steinplatten





Christian und Frank T. haben es auch um den Felsvorsprung geschafft





Chrisitan balanciert mit geradezu katzenartiger Anmut die Kueste entlang





Muscheln auf dem Wanderweg





Surge Channels - da will man nicht rein fallen






dieser Bereich ist mit einer "Very Dangerous Slope" in der Karte markiert




Geschafft!





Zeit was zu essen und die Sonne zu geniessen bevor wir wieder in den Wald muessen.


Der Rest des Weges ist wieder recht brutal. Es ist schwierig Bilder zu machen, da man beide Haende braucht um sich irgendwo festzuklammern oder die Stoecke zu benutzen. Hatte isch schon erwaehnt, dass das ein guter, zufaelliger Kauf war? Es geht ueber viele Wurzeln und Baumstaemme, durch Schlammloecher und ueber umgefallene, als Bruecken zu nutzende Baumstaemme. Man muss immer wieder abschaetzen, ob man das Risiko eingeht auf einem glatten Baum zu balancieren oder sich lieber ueber Wurzeln und durch Schlamm kaempft. Christian waehlt meistens die Baeume um sein Knie zu schonen. Frank T. waehlt meistens die Wurzeln und Ralf flucht die ganze Zeit.




Trinkwasser nachladen






Zeit zu pruefen, wie es uns so geht am Tag 7. Ralf geniesst seinen Urlaub.




eine der wenigen intakten Bruecken heute





Christian geniesst auch seinen Urlaub





Frank T. kaempft sich ueber Baeume und Wurzeln




rutschige Baueme, trotz quaer genagelter Bretter




Ralf staunt, denn es gibt Baeume in diesem Wald





Pfuetzen auf dem verrotteten Baumstamm.





Kniefreundliche Abstiege





irgendwer hat hier seinen Muellbeutel entlerrt!






Es wird langsam dunkel.


Es kann eigentlich nicht mehr weit sein, bis km 70, wo es nochmal einen Kilometer hinunter zum Zeltplatz geht. Wir laufen und klettern und laufen. Jeder konzentriert sich auf den naechsten Schritt. Es ist ruhig im Wald. Man kann nicht weit sehen. Es geht es um oder unter umgestuerzten Baeumen lang. Ich lauf gerade vorn, als ploetzlich ein grimmiges bruellen erklingt. Ich drehe mich erschrocken um und hoffe, das Ralf nur einen Spass gemacht hat. Der sieht aber genauso bleich aus und dreht sich zu Christian um, weil er hofft Christian hat nur einen Spass gemacht, obwohl das Geraeusch irgendwie nicht klang, als ob es ein Mensch nachmachen koennte. Christian sieht sich erschrocken zu Frank T. um der ganz hinten laeuft. Der schluckt kurz und zuckt die Achseln. Wir stehen da und bewegen uns nicht. Alle halten den Atem an. Es ist nichts zu sehen! Ueberhaupt kann man nicht sehen aus Baeumen und Blaettern. Okay, das ist normal im Wald, aber man kann irgendwie auch gar nicht weit sehen. Wo auch immer das Geraeusch her kam, es ist un moeglich zu sagen ob es einen Meter neben einem her kam oder 20 Meter. Es bruellt nochmal. Und es klingt eindeutig angepisst! Nicht gut. Wir suchen und sehen nix. Das Bruellen klingt eindeutig als waere jemand auf uns sauer. Vier fast ausgewachsene Maenner haben ploetzlich die Hosen voll. Ich habe schon oft Baeren in Kalifornien gesehen, aber wenn ich so drueber nachdenke, habe ich noch nie einen gehoert. Wir wissen nicht was es ist, aber es will nicht das wir hier sind! Wir laufen nun zuegig weiter, immernoch einen Klos im Hals. Vielleicht war es doch ein Puma? Es dauert nicht lange und es kommt uns ein Paerchen entgegen. Wir warnen sie zunaechst auf Englisch, dass da vermutlich ein Baer ganz in der Naehe ist. Wir merken dass die beiden Deutsche sind und warnen sie nochmal auf deutsch. Sie sehen nicht ganz gluecklich aus ueber die Botschaft, bedanken sich aber.Wir fragen uns wo die beiden eigentlich hin wollen. Es wird langsam dunkel und es sind noch mindestens 4 Stunden bis zum naechsten Campingplatz. Wir schlagen ihnen vor, zur Not am Zugangspunkt B die Nacht zu verbringen. Dort gab es zwar kein Wasser aber einen kleinen Platz, gross genug fuer ein Zelt. Kaum sind die beiden weg, meint Ralf: die hatten gar keine Wanderstoecke! Hmm...die sahen nun auch nicht gerade super fit aus, aber scheinbar sind noch Leute unterwegs, die noch schlechter vorbereitet sind als wir!





Da liegt es - das Ding aus dem Wald



Irgendwann erreichen wir Kilometer 70, wo es nochmal einen Kilometer recht anspruchsvoll hinauf und hinunter zum Strand geht. Es ist schon recht voll, wir finden aber noch einen Plazt fuer unsere drei Zelte.





der letzte Zelplatz




Am Trasher Cove Campground





Ralf geniesst...na ihr wisst schon





Das Abendbrot wird vorbereitet


Das Wasser haben wir wohl gerade rechtzeitig von einem kleinen Pool am Ende des Strandes geholt, denn kaum waren wir dort kamen zwei Ost-Kanadierinnen an um sich mit Seife im Nachbarbecken zu waschen. EIgentlich wollten sie zum letzten Tuempel. Guten Appetiet!






Trasher Cove





es bleibt noch etwas Zeit fuer einen kleinen Ausflug. Wir wollen sehen, wie man hier haette am Strand wandern koennen.





wir kommen nicht weit, die Flut ist zu hoch




wir sehen noch ein paar Seeotter





Zeit zurueck zu gehen.





Sonnenuntergang am Trasher Cove





das letzte Lagerfeuer





9 spannende und anstregende km heute geschafft.


Vom Zeltplatz aus sehen wir schon die Lichter von Port Renfrew. Die Zivilisation hat uns bald wieder. Nun sind wir soweit gekommen, wir hoffen das wir auch den letzten Tag unverletzt ueberstehen.









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