Freitag, 13. Oktober 2017

Tag 4 - Ausgeraubt, aber gluecklich

Ralf schlaegt erfolglos von unten gegen die obere Etage des Doppelstockbetts. Ein Baer muss sich ueber Nacht eingeschlichen haben. Auf jeden Fall brummt es gewaltig. Wir haben trotzdem halbwegs geschlafen, auch wenn es wieder kalt war. Ein Griff in meine Stiefel zeigt mir, dass die Zeit der trockenen Socken noch nicht gekommen ist.





Am Morgen - mit viel Mut lassen sich trockene Stellen auf unseren Stiefeln erahnen


Macht nichts, immerhin muessen wir heute keine Zelte abbauen und das morgentlich geraeume beschraenkt sich darauf, die immer noch Nassen Sachen die wir ueberall in der Huette zum trocknen verteilten wieder in den Rucksack stopfen oder eben anziehen. Wir essen heute nur ein paar Muesliriegel, weil es Geruechte gibt, dass die Indianer frischen Fisch verkaufen. Damit wird dieser Tag zum Rekord im Fertig werden zum abmarschieren. Das Wetter sieht auch gut aus! Es sind nur 2 km bis zum Nitnat und dort wollen wir richtig essen. Insgesamt stehen heute 14 km an. Danach haetten wir das Indianergebiet hinter uns und duerfen wieder kostenlos campen.




wir verlassen das "Comfort Camping"




endlich wieder ueber nasse Wurzeln stolpern





Der Regen hat dem Weg den Rest gegeben.




Besser als einfach nur Schlammloecher, sind Schlammloecher mit umgefallenen Baeumen drueber! West Coast Trail Limbo!




Kettensaegen sehen wir oefters mal am Weg liegen, aber nie jemanden der sie bedient





Die Sonne kommt raus





Damit man nicht aufgibt, zeigt sich der Trail immer wieder mal von seiner besten Seite





Ralf geniest seinen Urlaub - er sieht richtig erholt aus





man hat den Eindruck, Christian war gestern noch auf Party und haengt noch etwas durch


Aber wir laufen weiter! Schliesslich soll es heute Fischburger geben!!! Wir koennen es foermlich schon riechen! Oder sind das meine Socken?





wir schaffen die 2 km auffallend schnell. Wir sind 30 min zu frueh dran. Kein Faehrmann in sicht.

Zwei Seeloewen tauchen schaufend auf. Sie sind schneller wieder weg als wir unserer Kamera-Colts ziehen koennen. Es ist wieder still. Ich rufe laut auf Deutsch "Faehrmann, hol ueber!". Nur der Schall kommt zurueck, kein Faehrmann. Na dann nutzen wir die Zeit mal, um unseren Zustand zu ueberpruefen. Ich fange mit Ralf an:



Ralf faellt um. Ich denke das ist seine Art den Urlaub zu geniessen.

Wir machen uns keine Sorgen um Ralf, sondern teilen schon mal verbal seine Muesliriegel auf. Ueberhaupt entwickeln sich Muesliriegel zur echten Trailwaehrung. "Trag Du mal den Wasserfilter" - "Ok, fuer zwei Muesliriegel". "Ich wuerde gern einmal Trockenfutter A, gegen Dein Trockenfutter B tauschen!" - "Ok, wenn du noch drei Muesliriegel drauf legst." Aehnlich wie beim Bitcoin steigt die Waehrung praktisch mit jeder Mahlzeit und der Anzahl der verbliebenen Riegel.




Zustandsfoto Tag 4. Wir sind uns einig: Christian sieht anders aus

Nur noch Fischburger koennen uns retten! Und siehe da - Rettung naht:





Noch ein Seehund?


Ein ziemlich vermummter Faehrmann kommt da angefahren. Er ist vermutlich ein Eingeborener - er hat ziemlich krasse Pigmentstoerungen. Sieht nicht unbedingt gesund aus. Na hoffentlich bereit er nicht auch die Fischburger zu!



Das Indianische Fischburgercamp


Vielleicht nicht so romatisch, wie man sich ein Indianercamp vorstellt, aber egal, schliesslich warten die Fischburger auf uns! Wir zeigen dem Faehrmann noch unser Trail-Permit, was zeigt dass wir die Faehre bereits bezahlt haben. Sonst waeren wohl 15CAD fuer zwei Minuten Bootsfahrt faellig gewesen. Nun kommt aber die erste Enttaeuschung:





Fischburger sind alle, es gibt nur noch Hund!


Wie Fischburger sind alle? Mir wird kurz schwindlig! Kann ja nur ein Scherz sein! Die drei Fischburger, die seid dem Morgen in meinem Kopf kreisten platzen wie Seifenblasen. Einer der Welpen pinkelt mir dafuer direkt vor die Fuesse! Der Faehrmann taucht wie aus dem Nichts wieder auf und packt den kleinen Hund recht unsanft und druekt ihn recht grob mit der Nase auf die Holzbolen und direkt rein in die frische Hundepippi. Er reibt seine Nase eine gefuehlte halbe Stunde auf dem rauhen Holz hin und her. Er sagt: "Sonst lernen sie es nicht!". Ich nicke eifrig und bestaetige ihm, dass ich das mit meinen Kindern auch immer so gemacht habe.




das Tagesspecial ist Lachs mit Kartoffel fuer 30CAD!

Ich schaue zu Ralf und er murmelt wieder was vom Fass ohne Boden. Wir vermuten es gab niemals Fischburger! Man kann waehlen zwischen Krabbe oder Lachs. Jeweils mindestens 30CAD$ (21 Euro). Was solls, ausgeraubt, aber gluecklich. Alles besser als Bisquits mit Gravy! Es tanzen ab jetzt Lachse in meinem Kopf. Der Magen knurrt!





Wie die Hunde warten wir am Ofen auf unser Futter.


Es dauert erstaunlich lange. Uns wird kalt. Die Indianerin, welche das Essen kocht, mag nicht fotografiert werden. Es gaebe schon tausend Bilder auf Facebook von ihr. Unsere Aufmerksamkeit wird eh auf den Faehrmann gezogen, der einen Kaefig an einem Strick aus dem Wasser zieht.




11 Krabben warten auf den Haenker


Mittlerweile ist ein kanadisches, junges Paerchen eingetroffen. Sie laufen die gleiche Richtung wie wir. Wir haben sie noch nie gesehen, d.h. sie muessen uns eingeholt haben. Wir haben das Gefuehl, irgendwie haben uns alle eingeholt oder vielleicht sogar schon ueberrundet. Sie machen uns keine Vorwuerfe sondern haben Krabben bestellt.





der Killerfaehrmann macht die Krabben platt


So, nun Augen zu lieber Kinder! Der nette Faehrmann braucht keine Werkzeug um die Krabben vorzubereiten. Er legt das erste zappelnde Exemplar auf das Brett, fasst es mit einer Hand von Unten und mit der anderen von Oben. Er zerrt mit aller Kraft und reisst dem noch lebenden Tier die Rueckenplatte runter! Es kracht und knackt! Wir koennen jetzt direkt rein gucken in die immernoch zappelnde Krabbe. Sie versucht wegzurennen, aber der Indianer reisst ihr die Beine ab. Er schmeisst die nicht brauchbaren teile ins Wasser wo schon ein Schwarm Killerfischer warten und dafuer sorgt, dass nichts verschwendet wird. Ein genauer Blick ins Wasser zeigt uns, dass das hier ein richtiger Krabbenfriedhof ist. Wer hatte gerade noch Hunger? Ein zweites Tier wird aus dem Kaefig gegriffen. Ihm blueht das gleiche Schicksal. Der Kaefig kriegt eine Tritt und fliegt wieder ins Wasser. Die Lachse in meinem Kopf sind nun auch geplatzt.



Bei wem sind wir hier nur gelandet???


Waehrend wir weiter auf das Essen warten ziehen wir uns waermer an. Im Schatten ist es kalt. Da - endlich - kommt unser Essen!



Eine grosse Kartoffel mit Butter und ein Stueck Lachs


Irgendwie hatte ich an einen ganzen Lachs gedacht. Aber es zeigt sich, dass das Stueck gross genug ist. Was haben die anderen eigentlich?




Ralf hat eine "Fully loaded potato" genommen. Ich glaube fuer 10$.





Christian laesst es richtig krachen und nimmt Lachs mit Fully loaded Potato fuer schlappe 36$.



Frank T. nimmt das Special wie ich und noch zwei Cola Dosen dazu.






Mahlzeit - kein Tuetenfutter heute Mittag





Frank macht Waschtag am Nitnat Lake




Zeit sich ins Gaestebuch einzutragen und weiter zu ziehen.

Irgendwie ist wieder viel Zeit verloren gegangen. Naja, sie war gut investiert. Essen ist wichtig! Ein Indianer macht uns Hoffnung und meint, von hier an waeren die naechsten 4 km in einem super Zustand. Was auch Sinn macht, denn es ist die Verbindung zwischen zwei kleinen Indianersiedlungen.





tatsaechlich. Neu gebaute Bruecken. Wir kommen zunaechst gut voran




Die Natur holt sich schon Teile des Weges zurueck





Der Trail hat uns wieder und wir haben den Trail




hier war jemand noch langsamer als wir?



kurze Pause am Moos-Schuh





die Gute Laune ist mit dem guten Wetter zurueck






bei Ralf auch - er geniesst seinen Urlaub




Wenn da "Schlammloch" drauf gestanden haette, haetten wir es geglaubt



eine schicke Bruecke haben die Indianer!





bitte keinen Gruppenfotos aus Bruecken!





Blick Richtung Meer. Selbst hier liegt Treibholz. Die Stuerme im Winter scheinen wuetend zu sein.




wir haben den mittleren Teil der Strecke erreicht, in welchem Woelfe gesehen wurden. Ja, nicht wegrennen!





Wir sehen andere gefaerhliche Tiere! Auf der Jagd nach Fischburgern




ab km 36 sind wir zurueck am Strand





soweit konnten wir immer den Strand waehlen, soweit spielt die Flut mit






genug Feuerholz liegt am Strand




das sieht der Strand recht eng aus





irgendwann geht es nicht mehr weiter

Laut Karte haette es an km 38 einen Aufstieg zurueck zum Trail im Wald geben muessen. Aber wir finden statt dessen nur die Seile, vor denen die Rangerin uns gewarnt hatte. Nicht daran hochklettern. Vielleicht hat sie uns ja auch vor einem Fehler in der Karte gewarnt und wir haben es nicht mitbekommen. Wir muessen wieder ein Stueck zurueck. Was nicht so schlimm klingt, ist dann doch nervig, der Sand am Strand ist teilweise sehr locker und es ist anstrengender als auf Felsplatten zu laufen. Wir drehen die Karte noch ein paar Mal -  es hilft nichts - wir drehen - ein paar Verwuenschungen an die Karte schickend - wieder um.




einmal hin und zurueck





Hatte ich schon erwaehnt, dass Ralf die Leitern liebt? Er geniesst seinen Urlaub!



Wir klettern um die als "impassable headland" markierte Stelle rum.





und stolpern ueber den Trail, bzw. dass was davon noch ueberig ist.





neben dem Trail ist es ungeaehrlicher. Es sei denn man moechte Naegel sammeln




Die Seeloewen hatten die Karte auch falsch gehalten



gruene Hoelle




Der Trail liebt dich




ohne Worte










zurueck am Strand





Angespuelt



ein Schatz





Woelfe?





noch viel gefaehrlicher: Seeotter!



schoen glitschige Felsplatten. Wie war das nochmal mit der ausgekugelten Kniescheibe? Schoen vorsichtig bleiben!




krasse Kueste





Raue Kueste bei Ebbe





ordentliche Wellen sind unterwegs



wir schauen uns das Ganze zunaechst mal aus sicherer Entfernung an



kurz vor dem Ziel wird es noch mal gefaehrlich. Einige Wellen schaffen es immernoch ueber die Felsplatten, welche auf der linken Seite etwa 3-4 m steil abfallen. Da wollen wir moeglichst nicht runter gespuelt werden.





Augen zu und durch


Irgendwo finden wir eine Stelle, an der wir hinunter klettern koennen. Wir sind nicht so weit gekommen wie erhofft. Aber wir wollen die restliche Sonne noch nutzen und entscheiden uns dafuer hier am Cribis Creek zu bleiben. Das Minimalziel ist erreicht, wir haben den ersten Zeltplatz nach dem Indianer-Territorium erreicht.




wir geniessen die letzten Sonnenstrahlen




Endlich wieder aufgekochte Trockennahrung. Ralf geniesst seinen Urlaub!







super Zeltplatz hier, allerdings wieder nicht viel Platz bis zur Brandung wenn die Flut zurueck ist.




Daemerung am Cribis Creek Campground




Den Sonnenuntergang haben wir uns verdient


Das war wieder ein tolles Stueck vom Trail. Ueberhaupt ist die Landschaft seit dem von Moewen verseuchten Trinkwasserpool am Wasserfall noch schoener geworden. Das Moewenwasser schlaegt mir mittlerweile voll auf den Bauch. Noch besser als ein irrer Trail mit Nassen Schuhen und ohne Schlaf, ist ein irrer Trail mit Durchfall! Zum Glueck hab ich deutsche Medizin dabei. Mal sehen ob das hilft!




Tag 4. Wir sind bei km 42 von 77.






























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